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13. Kongress in Luzern (Schweiz): ein voller Erfolg

Schutz vor Naturgefahren ist eine gemeinsame Daueraufgabe

Angesichts der Hochwasserereignisse in Deutschland könnte das Thema nicht aktueller sein: Rund 550 Naturgefahren-Experten aus Forschung und Praxis haben sich am internationalen Fachkongress INTERPRAEVENT 2016 in Luzern getroffen und während vier Tagen erörtert, was getan werden kann, um derartige Unglücke möglichst zu vermeiden. Dabei wurde klar, dass der Schutz vor Naturgefahren eine Daueraufgabe ist und angesichts des Klimawandels mit häufigeren und heftigeren Niederschlägen immer wichtiger wird. 

Leider führen es uns die dramatischen Ereignisse der letzten Tage in Süddeutschland wieder vor Augen: Naturgefahren sind allgegenwärtig. Betroffene und Augenzeugen sind sich sicher, dass es Derartiges noch nie gegeben hat.

Was kann getan werden, um solche Unglücke zu vermeiden? Wissenschaft, Ingenieure und Behörden arbeiten seit vielen Jahren an technischen Möglichkeiten, um den Schutz für die Bevölkerung zu gewährleisten. Aber werden wir nun durch den vielfach vorhergesagten Klimawandel überrascht? Der Klimawandel kann nicht alleine für diese Unglücke verantwortlich sein. Wir müssen wissen, dass gängige technische Schutzmaßnahmen (Flussregulierungen, Dämme und Hochwasserrückhalt) auch Grenzen haben und unsere Siedlungstätigkeit immer mehr Raum in Anspruch nimmt. Trotz bester Schutzbauten gibt es immer Restrisiken, welche von jedem potenziell Betroffenen getragen werden müssen.

Vom 30. Mai bis zum 2. Juni 2016 tagten 550 Naturgefahrenexperten aus insgesamt 19 Nationen in Luzern (Schweiz) beim 13. Interpraevent Kongress. Dieser Kongress ist nicht nur den Wissenschaftlern vorbehalten, er richtet sich auch und vor allem an Ingenieure aus der Praxis sowie Lawinen-, Wildbach- und Hochwasserexperten aus der Verwaltung. Somit jene Menschen, die sich in ihrer täglichen Arbeit mit dem Schutz vor Naturgefahren beschäftigen. Die Schweiz kann auf Grund ihrer leidvollen praktischen Erfahrungen nach Hochwässern, besonders 2005 mit Milliardenschäden, gute Beispiele für den integralen Schutz vor Naturgefahren präsentieren. Zusätzlich gibt es auch ein in Europa einzigartiges Pflichtversicherungswesen, über welches Elemtarschäden umfassend gedeckt werden.

Die Kongressteilnehmer tauschten sich in Luzern zum Stand des Wissens und zu interdisziplinären Lösungsansätzen aus und diskutierten bei Exkursionen viele individuelle Lösungen für bedarfsorientierte Schutzkonzepte.

Im Resümee waren sich die Vertreter aller Interpraevent Mitglieder einig, dass der Erfahrungsaustausch auf Expertenebene weiter gepflegt werden soll, damit alle aus seltenen Extremereignissen lernen können.

Ein ganz zentrales Ergebnis war auch, dass nach der Erstellung von Gefahrenzonenplänen alle Akteure und Betroffenen in die Umsetzung der Schutzmaßnahmen noch mehr eingebunden werden müssen. Oft werden die Gefahrenzonenpläne von der Bevölkerung erst dann wahrgenommen, wenn einer Widmung eines gefährdeten Grundstücks nicht zugestimmt oder aber die Baubewilligung in einem gefährdeten Gebiet nicht erteilt werden kann. Ins Bewusstsein rückt ein Gefahrenzonenplan leider erst dann, wenn sich die gefährdeten Zonen „bewahrheiten“ und die Natur bei Starkregen oder einem Hochwasser großen Schaden anrichtet oder gar Opfer fordert.

Ganz nach dem Titel des Kongresses „Leben mit Naturgefahren“ müssen die betroffene Bevölkerung und alle Akteure frühzeitig eingebunden werden und vor allem verstehen, dass es keinen absoluten Schutz geben kann. Jeder Einzelne kann sich durch sein persönliches Verhalten bereits vor dem Eintreten eines Hochwassers so gut als möglich vorbereiten.

Das Bewusstsein der Bevölkerung gilt es umso mehr zu schärfen, als dass wir durch den guten Schutz vor Hochwasser durch verschiedene Bauten selten mit Schäden konfrontiert werden und die Gefahr wenig wahrnehmen. Hinzu kommt, dass die schadbringenden Hochwasser seltener aber umso heftiger auftreten - statistisch betrachtet seltener als in einem Menschenleben.

Das internationale Netzwerk von Experten zum Schutz vor Naturgefahren empfiehlt daher, dass:

  • vorhandene Maßnahmen zum Schutz vor Naturgefahren optimal gepflegt und instandgehalten werden müssen, um im Fall des Falles zu funktionieren,
  • Naturgefahrenrisiken allen Akteuren und der betroffenen Bevölkerung besser kommuniziert werden,
  • bei vorhandenem Risiko und Restrisiko das eigene Verhalten (Respektieren von Gefahrenzonen und entsprechende Bauweise mit Objektschutzmaßnahmen, Notfallvorsorge) angepasst wird und
  • Einsatzkräfte mit Interventionsplänen ausgestattet sein müssen, um bei Bedarf zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort helfen zu können.

Die Internationale Forschungsgesellschaft Interpraevent wurde 1967 in Kärnten gegründet und hat nach wie vor ihren Sitz in Klagenfurt. Von dort aus werden alle vier Jahre im Alpenraum und alternierend alle vier Jahre in Asien (Japan und Taiwan) die Fachkongresse gemeinsam mit den lokalen Partnern organisiert. Die Interpraevent besteht aus Mitgliedern (Regions-, Landes- und Bundesverwaltung) aus allen Alpenanrainerstaaten, sowie Norwegen, Japan und Taiwan und ist somit das internationale Netzwerk von Experten zum Schutz vor Naturgefahren.

 

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